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ma cuisine

 Aller Anfang ist schwer

Obwohl ich ein typisches Nachkriegs- und somit Mangelkind war und auch noch ein recht schlechter Esser, fand ich            relativ schnell zu dem höchst interessanten Thema Kochen. Das war eigentlich auch kein Wunder, denn durch die          Trennung meiner Eltern war ich seit meinem 9. Lebensjahr ein Schlüsselkind und konnte den lieben langen Tag fast          machen was ich wollte. Und ich wollte partout nicht immer das aufwärmen, was mir meine berufstätige Mutter hin-          gestellt hatte. Nein, ich wollte selber ausprobieren, wie das ist, wenn z. B. Milch anbrennt, Zucker karamelisiert und                 sich Haferflocken zu Schleim oder Beton verwandeln - es sollte eigentlich ein leckerer Brei werden. Das war angewandter Physik- und Chemieunterricht, aber halt zu hause.

Die Jahre gingen ins Land und meine Mutter ließ mich werkeln - nicht ganz ohne ihre Anregungen und auch Einflüsse von außen: Durch Mutters                  Neuverheiratung kam zu unserer hessisch-badisch geprägten Küche ein deftiger ostpreußischer Zungen- und Küchenschlag ins Haus, der nicht zuletzt      durch die mitgeheiratete "Omi" beim pupertierenden Manfred den Eindruck hinterließ, daß Kochen und Essen ja wirklich abenteuerlich sein können:             Da gab es plötzlich Blutsuppe mit Graupen, fetttriefende Gänse, Spirkel, Königsberger Klopse ( mmmhh! ), Sauerampfersuppe, Dampfnudeln,             Brathering - alles ganz anders und fremd und ziemlich derb. Aber herzhaft. Man schmeckte, was da drin war! Und das war irgendwie interessant...

Diverse Campingerlebnisse in den 50er und 60er Jahren mit Primitiv-Menüs ergänzten die wichtigen Empfindungen und den Spürsinn für die ganze         Palette des Geschmacks und des Machbaren. Vor allem fielen sämtliche Vorurteile in sich zusammen. Heute weiß ich, daß man eigentlich alles          (ver)kosten kann, wenn man weiß, wie und aus was es zubereitet ist. Aber auch, daß man nicht alles essen muß, wenn man etwas nicht weiß oder          absolut nicht mag. Da muß man als Erwachsener dann auch mal an die Kinder und deren Sensibilität und ihren noch nicht voll entwickelten         "Geschmacks-Horizont" denken!  Ach ja, ganz kurz noch zu einigen wenigen sentimental-geschmacklichen Highlights, die mir - neben dem schon       genannten, bis heute aus meiner Kinder- und Jugendzeit in Erinnerung blieben: Der so schön violette Polnische Salat und die Grüne Soße meiner            Mutter, Arme Ritter von meiner Großmutter Else, Quarkspeisen und Cremetorten von "Omi", Knorr-Tütensuppen und Bismarkheringe beim Camping.    Fleisch kam eigentlich kaum vor. Meine Favoriten sehen natürlich heute ganz anders aus, aber damals waren die Portemonnaies weniger voll und es            gab für mich kulinarisch gesehen nur Hessen und Ostpreußen - von Globalisierung keine Spur!

Diese Erlebnisse und Eindrücke haben mich nicht nur bezüglich der Kocherei stark und selbstbewußt gemacht. - Leider gerät einem diese Entwicklung      nicht  in allen Lebensbereichen so überzeugend und nachhaltig. Tatsache ist, daß ich spätestens ab dem Zeitpunkt des bestandenen Abiturs und der                 geographischen Loslösung vom Elternhaus bezüglich der Kocherei eigenständig und auch eigenwillig war - Prosit! ( "es möge nützlich sein" ).

 

Der Kenner schweigt nicht, er genießt

Als leidenschaftlicher Privat-Cuisinier mit einer Entwicklung vom kochenden Schlüsselkind zum Junggesellen Gourmand bis hin zum Familien-Allround-       Koch und Gäste-Beglücker habe ich jetzt endlich die Gelegenheit und Möglichkeit, meine lange Erfahrung im praktischen Umgang mit Lebens- und Genußmitteln sowie meinen lieben Gästen weiter zu geben. Natürlich alles aus eigener Sicht, nichts wird nachgebetet oder geklaut. Und wenn, dann mit entsprechenden Hinweisen. Fangen wir mal an:

1. Gang:

Fernsehreife Showeffekte und hochphilosophische Essays über die richtige Ernährung wird es hier genauso wenig geben        wie medizinische Ratschläge zum Verspeisen von ganzen Matjesheringen, Krustentieren o. ä. Oder die Diskussion, ob            man besser mit einem Kupfer-Butterpfännchen aus dem Edelküchenshop oder einfach mit einer guten Edelstahl- oder Guß-    Kasserole arbeitet. Ich möchte einfach nur über meine eigene, sehr pragmatische Sichtweise des Kochens, meinen Alltag            und einige Sternstunden als selfmade-homecook berichten. Und vielleicht auch Tipps und Hinweise geben, u. a.                      zum wirtschaftlichen und dennoch überdurchschnittlichen Kochen und Genießen bei ganz normalen Mitteleuropäernn, die                                                               einfach nur mal über den Teller(rand) schauen.

2. Gang:

Seitdem ich über das Kochen an sich nachdenke und auch darüber rede ( in der Regel auf Parties, Empfängen udgl. ), verspüre ich bei meinen Gesprächspartnern und Zuhörern entweder eine seltsame Ehrfurcht oder eine ganz bestimmte Belustigung. Erstere meistens bei den Damen der Schöpfung, letztere manchmal bei den Kerlen, die natürlich überhaupt keine Ahnung haben und womöglich McDonald für einen kalifornischen Sechsternekoch halten...

Geht man dem Begriff Ehrfurcht in diesem Zusammenhang auf den Grund, bleibt oftmals nur  -furcht übrig, nämlich die Furcht vor dem Abenteuer Kochen und die Furcht, sich vielleicht blamieren zu können. Da bleibt natürlich jegliche Ehr auf der Strecke, denn so geht's halt nicht ( meine Damen )!

                                        Woher kommt diese sehr verbreitete Angst vor dem "richtig guten Kochen"? - Wo es doch nichts Schöneres und                                                 Kreativeres gibt, als nicht nur sich selbst, sondern z. B. auch dem Gast, dem Partner, dem eigenen Kind oder gar der                                          Schwiegermutter ein ganzes Essen zu widmen und zuzubereiten - egal ob Spiegelei mit rohgerösteten Bratkartoffeln                                                             oder 5 Gänge aus exquisiten Zutaten.                                                                                                                                                                                                                    

                                                           Als nicht ganz plausible Erklärungen dazu habe ich gefunden, jedenfalls bei unseren Deutschen Landsleuten:

                                                        - Die eigene Mutter konnte nicht kochen oder wollte ihre Kochkünste nicht preisgeben ( kommt tatsächlich vor! )

                                                        - Der Blick in die Edelkochbücher im heimischen Bücherregal ( ganze 98 cm! ) hat allen Enthusiasmus für das                                                                        Experimentieren am heimischen Herd zunichte gemacht ( es geht auch ohne Buch! )

                                                        - Perfektionismus und Dünkel ( Achtung neureich:  Wir gehen Essen, wenn's was Teures sein soll! )

                                                        - Phantasielosigkeit = "Geschmacklosigkeit"

                                                       - Angst vor Blamage ( ...Du lieber Gott, Dein erstes Wiener Schnitzel? )

                                                        -Talentlosigkeit ( da kann man nix machen... )

3. Gang:

Also wirklich: Es ist noch kein Super-Koch vom Himmel gefallen - weder bei den Profis noch bei den Laien ( Der sonst            übliche Begriff "Hobbykoch" ist mir zu profan, denn ich stehe seit fast 50 Jahren täglich mindestens einmal engagiert am            Herd und zwar absolut "nebenberuflich" ).                                                                                                                                                  Zum Glück gibt es immer mehr Männer, die das Kochen als Quell unerschöpflicher Kreativität und Inspiration empfinden.       Ich meine nicht die Hörzu-Rezept-Nachkocher, sondern die In-Der-Welt-Rumgucker, die Alles-Ist-Möglich-Denker und            nicht zuletzt die Weinliebhaber, die zu ihrem guten Tropfen ja auch was Gescheites auf dem Teller haben wollen.

So, bevor es jetzt doch philosophisch, besserwisserisch und vielleicht sogar schulmeisterlich wird, höre ich auf und sage nur: Üben, Testen, Grundlagen lernen, sinnvolles, passendes Werkzeug zulegen und dann loslegen und probieren, probieren, probieren. - Es gibt nichts, was man nicht zubereiten könnte. Von extrem preiswert bis superteuer, von urig-einfach bis edel und archaisch bis ungewöhnlich-dekadent. Natürlich sind auch Kochbücher erlaubt!                     Ohne die geht es gar nicht. Aber sklavisch nachkochen, ohne Inspiration wird's eben nix!

Und bevor ich noch absolut mißverstanden werde: Dies hier wird kein neues Kochbuch, gell?!

 

Zutaten und Gewürze

Man kann aus jedem Wissen um die Praxis der Kochkunst ein Geheimnis machen und ganz raffinierte Theorien und Philosophien entwickeln. Man kann aber auch pragmatisch vorgehen und das Machbare, Verfügbare und Erreichbare  ehrlich hervorheben und danach handeln. Letzteres bevorzuge ich - nach vielen Jahren der Irrungen und Wirrungen. Und ich weiß  mich da auf der gleichen Seite wie mancher durchaus wohl bekannte prominente Profi-Koch. Auch ich bin der Meinung, daß     in erster Linie das Geschmacks-Elebnis als Ergebnis zählt!

Natürlich gibt es Grundsätze, die man in Bezug auf die Zutaten und Zubereitungsmethoden nicht verlassen sollte, z. B.: 

 

  • Frische Produkte, besonders bei Gemüse
  • Beste Qualität suchen, besonders bei Fisch und Fleisch
  • Nichts vorfabriziertes, kein "Halbfertig-Teig" oder Pizza zum Belegen o. ä.
  • Wenn in der Nähe, Händler und Läden nach einzelnen Produkten aussuchen und nicht allen Bedarf kritiklos in einem einzigen Supermakt kaufen.   Nebenbei: Bei Aldi und Konsorten gibt's durchaus auch akzeptable Qualität...
  • Man muß keine unumstößlichen Dogmen aufbauen, das bremst die Phamtasie!
  • Man kann schon mal einen Klecks Ketchup oder fertige Mayonnaise zur Abrundung von Dressings verwenden. Und der Einsatz von Dr.Oetkers Pudding ist für mich auch kein Sakrileg. Aber da hört es bei mir allerdings auch schon auf...

            Um noch besser zu verstehen, was ich meine:

          Man kann z. B. wunderbare Würzmischungen selbst herstellen - Steakwürze, Fischwürze, Asia-Würze, Mediterran-Würze, usw. Ich mache das                        mit frischen, nicht gemahlenen Gewürzen und Kräutern mit einer alten Elektro-Kaffeemühle - funktioniert hervorragend!

           Man kann Brühen, Fonds, Beizen, Konzentrate, Cremes herstellen - oft "nebenbei" mit vorhergehenden Koch- und Garvorgängen,                                      auch aus Resten,   um  sie später für andere Gerichte einzusetzen. - Das macht einen Heidenspaß, ganz davon abgesehen, daß das auch noch                            wirtschaftlich ist. Denn wegwerfen muß man eigentlich fast nichts! Und eine Tiefkühltruhe hat heutzutage auch jeder.

 

Planen und wirtschaften

Nochmals ganz deutlich gesagt: Ich gehe davon aus, daß unter Kochen nicht unbedingt das Wärmen von irgendwelchen Nährstoffen, vorzugsweise aus Dosen oder Plisterpackungen, verstanden wird. Nichts gegen convenience-food, wenn' s          nicht anders geht, aber das sollte die Ausnahme bleiben, gell?

Wer wirklich richtig zu hause kocht, aber nicht regelmäßig und für mehrere Personen, sollte sich keine nennenswerten Vorräte an Grundnahrungsmitteln, Kräutern, Gewürzen oder gar frischem Obst und Gemüse hinlegen. Die Sachen  werden schlecht oder minderwertig - also gleich ab in den Mülleimer! Besser ist es dann, für jede einzelne Mahlzeit "grammgenau" zu planen, was insbesondere bei zu erwartenden Gästen immer ratsam ist. Mutters Einkaufzettel mag zwar manchem spießig und überflüssig vorkommen, aber ohne hat man im Supermarkt   mit Sicherheit die Hälfte vergessen oder nur das gekauft, was man gar nicht unbedingt gebraucht hätte. Also, Singles und Wochenend-Paare: gezielt                  einkaufen nach dem Motto "Alles frisch!".

Wer dagegen täglich sich selbst und andere mit Selbstgekochtem beglücken kann, sollte eine umfassende Wochen-Menuplanung vornehmen und sich             auch ein Basis-Lager an Lebensmitteln zulegen. Das ist enorm wirtschftlich in punkto Einkaufen und Spaß macht es auch. Es vermeidet auch den ewigen Kreislauf mit Verlegenheitslösungen und Dopplungen ( "was, schon wieder Spaghetti?" ).

Auf die Bedeutung dieses Themas und auf seine Auswirkungen kann man hier kaum näher eingehen. Dazu ist es zu umfassend, zu individuell und vielschichtig. Es gibt dazu nicht umsonst hauswirtschaftliche Fachbücher und ganze Lehrgänge im professionellen Gastronomiebereich. Aber das ist           nicht mein Ding. Ich finde, man muß seine eigene Art von "Planwirtschaft" betreiben, die befriedigende bis beste Ergebnisse garantiert bei relativ             geringem zeitlichen und optimiertem finanziellen Einsatz ( der Kaufmann läßt grüßen ).

Als Stichworte müssen erst mal genügen:

  • Repertoire ( Was wird überhaupt gekocht? - Weltküche, mediterran, deutsch, asiatisch? )
  • Wochenpläne ( Abwechslung! - Wirtschaftliche Zusammenstellung! - Was mache ich mit Resten und Mehrmengen? )
  • Bedarfs- und Einkaufslisten ( Entsprechend Wochenplan, bzw. Vorräten in Speisekammer, Kühlschrank und Gefriertruhe )
  • Basis-Lebensmittel und Gewürze festlegen ( Die ständig verfügbar sind und immer wieder erneuert werden müssen )
  • Bestandskontrolle ( Mindestens alle zwei Monate! Verfallsdaten von Gewürzen, Konserven, Frischprodukten, Tiefgefrorenem! )
  • Lieferanten ( Wann wo wie einkaufen? Stammgeschäfte bei denen man weiß, was sie wann in welcher Qualiät haben.
  • Vermeidung von täglichen Zufallseinkäufen

Bei aller Planerei aber bitte nicht das Kochen vergessen - auch mal einen Apéritif nehmen, damit die Sache nicht so trocken wird.

 

 

Hardware

Ach, das ist ein schwieriges Kapitel, auch gerade weil es mir am Herzen liegt. Denn nicht nur der Geschmack ist in der Küche individuell, sondern auch die Meinung über die "Hardware". - Der eine zaubert mit fast nix außer einem alten Holzkochlöffel und einem gammeligen Emailtopf und der andere schwört auf schwere französische Markenpfannen und Schweizer Messer, usw.  

Letztendlich geht es darum, was man halt braucht, um eine möglichst überdurchschnittliche oder sogar raffinierte              Mahlzeit zustande zu bringen und  das auch noch, ohne sich die Finger zu zerquetschen oder sonst irgend wie masochistisch  zu behandeln ( Verbrühen und Aufschlitzen sind dabei recht beliebte Methoden )...  Und schnell soll ja auch immer alles gehen. Und von gestern sind wir         auch nicht, denn es gibt ja auch Maschinen und die Elektrizität, gell? Und Abwechslung soll ja auch rein in die alltägliche Speisenfolge. Wir sind ja nicht im Restaurant, das ggfs. sogar mit nur fünf bis zehn Gerichten auskommt. Dort ißt man ja nicht jeden Tag, aber zuhause schon!

Was meinen Arbeitsplatz anbelangt: Ich komme fast ohne hitec & schnickschnack aus, habe auch keine drei Inseln in meiner ca. 25 Jahre alten Küche.            Die Kinder sind aus dem Haus; ich bin Rentner und für eine 75.000 €-Küche bin ich einfach zu geizig - warum auch, es funktioniert ja alles!  Zuhause in Deutschland koche ich mit Strom aus der Steckdose, in Frankreich dagegen mit Gas aus der Flasche. Beides hat was.

Allerdings gibt es ein paar Utensilien, die man zum reibungslosen Kochen und zum Vorbereiten unberdingt besitzen sollte:

Sehr gute und verschiedenste Töpfe, Kasserolen und Pfannen, möglichst aus Edelstahl und alles von groß bis klein. Ob die Pfannen beschichtet sein müssen oder nicht, ist von den unterschiedlichen Philosophien und Erfahrungen abhängig. Als nächstes sind die Messer dran. Wirklich gute müssen kein Vermögen kosten, aber billig sind sie auch nicht gerade. Sparen bringt da nix! Sets oder Blocks mit 10 verschiedenen japanischen Messern sind Spelerei. Eigentlich braucht man nur ca. 4 verschiedenen gute Schneidwerkzeuge. Rührschüsseln, Panierschalen und eine gute Salatschleuder sind ein Muß. Und dann die Werkzeuge: Bitte kein Plastik!  Kochlöffel sind in der Regel aus Holz, alles andere möglichst aus Edelstahl.

Nebenbei - es gibt auch Restaurants!

Als selbst- und bewußt kochender Mensch habe ich Restaurants gegenüber ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits bewundere ich dort eine gewisse Kunstfertigkeit, Phantasie und natürlich den guten Geschmack. Andererseits            schüttelt es mich schon mal, wenn ich sehe, was sich mancher selbsternannte Maitre erlaubt, seinen Gästen auf die            Teller zu geben. Und dann sehe ich mich natürlich auch noch als Konkurrent zu manchem Profi. - Man hat's nicht leicht        als offiziell Ungelernter, aber da muß man durch, auch wenn man schon mal als überheblich gilt.

 

So gerne ich „Essen gehe“ um mich auch mal bedienen zu lassen, so oft halte ich auch die Luft an, bis dann auch alles ok ist und ich zufrieden                 bis begeistert die Zeche bezahle – jedenfalls in Restaurants, die ich auf der Durchreise oder überhaupt das erste Mal aufsuche. Bei vertrauten               Lokalen ist das meistens anders und bei „Kneipen“ sinkt meistens auch das Anspruchsniveau automatisch, was nichts Negatives ist.

Das mit dem Luftanhalten kommt nicht von ungefähr, denn selbst in mehrsternigen Restaurants habe ich schon manche teure Pleite                           erlebt – hauptsächlich und ausgerechnet in Frankreich, meinem gastronomischen Lieblingspflaster! Deutschland ist da oftmals besser als sein Ruf!

Es ist wohl so, daß man mit zunehmender Kunstfertigkeit und Erfahrung im Selberkochen nicht nur kritischer, sondern auch sensibler                             und aufmerksamer wird. Eine zeitlang habe ich das fast schon bedauert, weil es einem ja bisweilen etwas die Freude am „Fremdgehen“ nimmt.                  Heute bin ich immer seltener bereit, mich dem oftmals gebotenen Gastro-Schnickschnack und der verbalen Blenderei auszusetzen: Hart aber            ehrlich, denn was dabei oftmals nur bleibt, ist optisch einwandfrei aber trotzdem nur ein durchschnittliches Menu ohne geschmackliche                Highlights! Das bedeutet dann nicht nur rausgeschmissenes Geld und Zeit, sondern Ärger, Frust und – keine Lust…

Zum Glück gab und gibt es trotz Allem ab und an sehr positive Restaurant-Erlebnisse. Und da muß ich gestehen, daß die meisten bisher in            Frankreich stattfanden. – Ob in Paris oder im Grand-Hotel am Doubs oder in diversen Landgasthöfen der Bourgogne oder im Bistro in Banyuls,          oder, oder…  Es waren die Momente im Leben eines Genußmenschen, die unvergessen bleiben, auch für den Partner! Da hat dann eben alles            gestimmt, vom Menu über den Wein bis hin zum Ambiente, dem Service und natürlich auch das Preis-Leistungsverhältnis.                                      

In Deutschland geht’s heute erfreulicherweise oft etwas "ehrlicher" als ehemals zu. Wenn man heute in ein vielleicht vielsterniges Restaurant gehen will,  kann man sich in der Regel auch darauf verlassen, daß zumindest das Essen stimmt. Aber letztendlich fragt man sich doch, wo all die Gourmets und Liebhaber guter Gastronomie hingehen, wenn sie die Preise mancher Edelschuppen nicht zahlen wollen oder können. Und auf Mittelmaß aus-           weichen, nur um satt zu werden, ist keine Lösung…

 

Wein und andere Getränke

Dies ist wohl das schwierigste kulinarische Thema, denn es gibt fast niemanden, der nicht noch ein bißchen mehr weiß          und kennt als der andere...Und deshalb mögen viele schon gar nicht mehr über Wein reden und manche steigen beim    Getränk gleich auf Bier um...

Aber, warum denn gleich aufgeben, mein Freund? Weingenuß hat zwar ein bißchen, aber nicht ausschließlich mit           Verstand, Intellekt und viel Geld zu tun. Auf den Geschmack, das Gefühl, den Duft und die Erfahrung und Kenntnis            kommt es an.     Und wie schon beim Essen erwähnt, gilt hier das Gleiche: Unbeeinflußt testen, schmecken, erleben.                  Da trennt sich schnell  die Tankerfüllung "Vin du proveniance de la Mediterrannée" vom gar nicht so viel teureren                  edlen Pinot Noir aus dem Elsaß oder der Bourgogne. Man muß den begehrten Stoff ja auch nicht höchstpersönlich                   beim Patron eines "chateau" vorbestellt haben. Obwohl es natürlich schon ein besonderes Erlebnis ist, einen guten             Winzer zu besuchen, um dessen Weine zu kosten, zu besprechen und zu kaufen. Das kann ich nur empfehlen, gleich                  ob für Deutschland, Frankreich oder Spanien. Erlebnisse solcher Art in anderen Wein-Ländern dieser Erde kann ich bis             heute allerdings nicht vorweisen.

Das Thema Wein ist so umfangreich, komplex und tief, daß ich mich hier weder als 'Weinexperte', bzw. besoffener Esel            aufs Glatteis begebe noch umnebelt aus irgendwelchen muffigen Kellern berichten werde. - Ich empfehle für Anfänger          und Laien ein bis drei gute Beispiele aus der Wein-Literatur zu lesen und dann einige Jahre auf Trink-Testreise zu gehen. Vielleicht kennen Sie ja jemanden, der sich schon auskennt, ehrlich ist und sich nicht ausschließlich beeindrucken läßt von Jahrgängen und Preisen, sondern von der Qualität eines Jahrtausende alten Produktes und dem Genuß ohne Reue.                 Erst dann lohnt sich ggfs. die Anschaffung von z.T. nicht ganz billigen, jährlich erscheinenden Weinhandbüchern, Kauflisten ( Johnson und Konsorten ).         Was mir persönlich beim Kennenlernen von Weinen sehr geholfen hat, ist ein unscheinbares Paperback-Fachbuch für angehende Winzer: " Taschenbuch      der Rebsorten" von Hillebrand, Lott, Pfaff. - Ich entdeckte es vor Jahren bei "unserem" deutschen Winzer im rheinhessischen Gau-Weinheim. Er fragte        mich, was ich denn damit anfangen wolle. Er konnte sich gar nicht vorstellen, daß ich als Laie und Verbraucher außer Wein-trinken auch Wein-wissen        wollte. Zu empfehlen sind aus meiner Sicht für Anfänger u.a. auch noch folgende Bücher: "WEIN, die neue große Schule" von Jens Priewe und der ganz              neue Wein-Brockhaus.

 

Zum Schluß dieser Exkusion mein kleines Bekenntnis.  Ich genieße und schätze ausschließlich wirklich „ehrlich-trockene“ Weine.

Bei Rotwein liebe ich besonders Pinot Noir, auch den deutschen entfernten Verwandten Blauer Spätburgunder. Aber auch die etwas rauen Grenache-Weine und deren Cuvés aus Südfrankreich und Katalonien mag ich - je nach Ausbau.

Bei Weißwein zucke ich, wenn ich Rießling höre oder rieche, denn den vertrage ich wegen seiner typischen Säure partout nicht ( "Magen!" ). Mit Chardonnay und seinen Verwandten, z. B. Aligoté, kann man mich definitiv glücklich machen, vorausgesetzt sie sind gut ausgebaut und nicht tierisch geschwefelt! - Ein guter, echter Chablis ist auch schon was dolles! Aber - chapeau! - es gibt gerade in der ganzen Bourgogne viele andere Chardonnay-Lagen, die auch ohne dieses Prädikat auskommen und saustark schmecken und einem auch noch bekommen ( auch preislich ). Über die Loire rüber liegt das Sancerrois mit seinen herrlichen Sauvignons. Oh Gott, jetzt muß ich aufhören und mal im Weinkeller nachschauen, was noch so da ist...


Ui, jetzt kommen alle, die von den sagenhaften Australiern, den Super-Amerikanern und den Wahnsinns-Chilenen schwärmen. Kann ja sein, aber ich kann und will nicht alles probieren, d. h. ja auch kaufen und vorhalten. Man muß auch irgendwo eine Kennlinie setzen. Meine Gäste können sich jedenfalls darauf verlassen: Im Wein kann eigentlich schon die Wahrheit liegen.

In diesem Sinne: À votre santé!